Wollen wir wirklich ewig leben?
Ich habe kürzlich einen Artikel gelesen mit genau dieser Frage “Wollen wir wirklich ewig leben?” – und mir gedacht: Irgendwie beschäftigt sie uns alle. Aber wir sprechen nicht gern darüber. Und noch weniger darüber, wie wir eigentlich alt werden wollen.
Ewig leben – ewig da sein – ewig arbeiten? Über das Altern an sich und darüber, wie wir Orte so gestalten, dass Menschen gut altern können, spricht man selten freiwillig. Meist erst dann, wenn jemand aus der Familie betroffen ist – oder man selbst. Doch genau das bringt uns fachlich nicht weiter.
Es ist Fakt: Den Tod können wir nicht überlisten. Aber darum geht es auch nicht.
Es geht um unser Verhältnis zum Altern. Zum Endlichen. Und um die Frage, was wir unter einem guten Leben verstehen. Wie gelingt gute Betreuung im Alter? Wie sichern wir Selbstbestimmung, Würde und soziale Teilhabe – auch dann, wenn Kräfte nachlassen?
Gut erforschen, praktisch umsetzen
Als Sozialwissenschaftlerin beschäftigt mich die Lebensqualität im Alltag, die wir auch im Alter und hohen Alter erleben wollen. Auch dann, wenn wir als Menschen teilweise oder ganz auf Unterstützung angewiesen sind. Die Lebenserwartung steigt. Aber steigt auch die Lebensqualität? Orientieren wir uns in Pflegeheimen, stationär und ambulant konsequent an Lebensqualität durch Alltagsgestaltung? Nein, noch nicht, das zeigen auch Befragungen von älteren Menschen und Angehörigen. Wir vernachlässigen eine wichtige Komponente, die Betreuung im Alltag.
Lebensqualität ist mehr als “krank” oder “gesund”
Ein Mensch kann sehr alt werden und sich trotzdem isoliert fühlen. Ein Mensch kann krank sein und dennoch Lebensqualität erfahren. Das sind keine rein medizinischen Fragen. Es sind soziale Fragestellungen und sie zeigen uns, wir müssen uns um Betreuungsaspekte mehr kümmern. Deshalb ist es mir wichtig, das Thema sozialpädagogisch (das ist eine der Disziplinen in diesem Feld) sichtbarer zu machen: Altern nicht nur zu verwalten, sondern aktiv zu gestalten. Betreuung darf keine Restkategorie sein, sondern ist Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung und dafür brauchen wir Fachpersonal, welches genau diese Alltagsgestaltung besser übernehmen kann, mit und nebst der Pflege.
Vielleicht liegt die Herausforderung nicht darin, dem Tod davonzulaufen. Sondern darin, das Leben – auch im Alter – so zu gestalten, dass es getragen ist von Beziehung, Sinn und Würde.
Ich glaube nicht, dass wir ewig leben müssen.
Aber ich bin überzeugt, dass wir besser altern können. Und das ist keine technologische Vision. Das ist eine gesellschaftliche Entscheidung und dafür braucht es die Soziale Arbeit.
Im nächsten Beitrag schreibe ich gerne konkreter darüber, was das für die Ausbildung und die Praxis bedeutet. Und wie wir schlussendlich alle davon profitieren.
